Bischof Francis AsburyDer Vater des amerikanischen Methodismus
„Leben oder sterben: Ich muss reiten!“ Unter dieser Devise entwickelt sich das methodistische Reisepredigeramt, ohne das es nie zu der beispiellosen Ausbreitung des Methodismus in Amerika gekommen wäre. Mit etwa 275.000 gerittenen Meilen hat Asbury sogar noch den Rekord seines Vorbildes John Wesley übertroffen. Schließlich ist er so bekannt, dass er einem Korrespondenten in England mitteilte, er könne Sendungen an ihn einfach mit „Francis Asbury America“ adressieren. Biblische Kenntnis eignet sich Asbury in einem eisernen Selbsstudium an. Nach Möglichkeit steht er morgens um 4 Uhr auf und verbringt zwei Stunden mit geistlicher Betrachtung und Gebet sowie zwei Stunden mit Lesen und Studieren. In seiner Satteltasche führt er eine hebräische Bibel, ein griechisches Neues Testament und die Kirchenordnung mit sich. In acht Monaten reitet er z. B. einmal fünftausend Meilen von einem Ende der Vereinigten Staaten bis zum anderen. Immer muss er auch die zahlreichen Konferenzen abhalten, und ist verantwortlich für den Versetzungsplan von siebenhundert Predigern. Ständig ist er unterwegs. Von einer Reise in den Süden Asburys heißt es: „Er musste wieder wie gewöhnlich auf seinem Pferde sitzend den Fluß durchschwimmen, durch Sümpfe waten, ganze Nächte im Regen durch Wälder über Berg und Tal reiten.“ Sein Tagebuch beschließt er am 7. Dezember 1815 mit dem Satz: „Ich lebe von Augenblick zu Augenblick mit und in Gott.“ Auf der Reise zur Generalkonferenz bricht er zusammen. Er kann weder laufen noch stehen; da er aber unbedingt predigen will, trägt man ihn in die Kirche. Sitzend spricht er mit letzter Kraft in Richmond/Virginia über Römer 9,28: „In Kürze wird der Herr sein Wort vollenden.“ Eine Woche später stirbt er in Spottsylvanien. Es ist der 31. März 1816. Seit 1854 liegt er in Baltimore begraben, in der Stadt, in der er anläßlich der denkwürdigen Weihnachtskonferenz 1784 zum General-Superintendenten ordiniert worden ist. Neben John Wesley dürfte er wohl der einzige Prediger sein, dem ein bronzenes Reiterstandbild gesetzt wurde. Es steht in Washington. Jochen Krämer |
Geboren
wurde Francis Asbury am 20. August 1745 in Handsworth bei Birmingham in England.
Noch keine siebzehn Jahre ist er alt, da hat er bereits die Laienpredigerlizenz.
Nach vier Jahren Dienst als Lokalprediger wird er von der Konferenz in die Reihen
der methodistischen Reiseprediger aufgenommen. Nacheinander bedient er fünf
Bezirke. Als John Wesley Prediger für die britischen Kolonien in Nordamerika
sucht, meldet sich Francis Asbury. Am 27. Oktober 1771 betritt er in Philadelphia
amerikanischen Boden, den er nie mehr verlassen sollte. Im Unterschied zu den
Predigern in England sind die amerikanischen Prediger seßhaft. „Meine Brüder
sind unwillig, die Städte zu verlassen; aber ich denke, ich will ihnen den Weg
zeigen“, notiert er und geht mit gutem Beispiel voran.